{"id":1758,"date":"2025-05-12T17:10:33","date_gmt":"2025-05-12T15:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.euginmed.com\/?p=1758"},"modified":"2025-05-12T17:20:20","modified_gmt":"2025-05-12T15:20:20","slug":"warum-es-ein-mythos-ist-dass-spermien-waehrend-des-befruchtungsvorgangs-frenetisch-zur-eizelle-schwimmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euginmed.com\/de\/warum-es-ein-mythos-ist-dass-spermien-waehrend-des-befruchtungsvorgangs-frenetisch-zur-eizelle-schwimmen\/","title":{"rendered":"Warum es ein Mythos ist, dass Spermien w\u00e4hrend des Befruchtungsvorgangs frenetisch zur Eizelle schwimmen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die&nbsp;<strong>Befruchtung<\/strong>&nbsp;ist der Vorgang, bei dem sich zwei Keimzellen, eine Eizelle und ein Spermium, vereinigen, um eine so genannte Zygote zu erzeugen. Eine Zygote ist ein Embryo in seinem ersten Entwicklungsstadium unmittelbar nach der Befruchtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Prozess wird oft als&nbsp;<strong>Wettlauf zwischen den Spermien in Richtung der Eizelle<\/strong>&nbsp;beschrieben und Dauer der Spermien in der Eizelle. Die&nbsp;<strong>Realit\u00e4t ist allerdings komplexer.<\/strong>&nbsp;In Wahrheit handelt es sich um eine&nbsp;<strong>Synergie zwischen der m\u00e4nnlichen und der weiblichen Keimzelle,<\/strong>&nbsp;spermien den weg zur eizelle erleichtern und bei der mehrere Prozesse und Reaktionen synchron ablaufen m\u00fcssen, damit ein Embryo entsteht, der sich weiterentwickeln und eine Schwangerschaft hervorbringen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie erreichen die Spermien die Eizelle?<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach der Ejakulation m\u00fcssen die&nbsp;<strong>Spermien<\/strong>&nbsp;den aus Vagina, Geb\u00e4rmutterhals und Geb\u00e4rmutter bestehenden weiblichen Fortpflanzungstrakt durchqueren, um in den Eileiter zu gelangen. Auf diesem Weg gibt es mehrere Hindernisse: den vaginalen pH-Wert, den Zervixschleim, den engen Durchgang zwischen Geb\u00e4rmutter und Eileiter oder die Reaktion des Immunsystems. Der pH-Wert in der Vagina ist niedriger als der Wert, welcher f\u00fcr Spermien ideal w\u00e4re. Die Vagina gilt daher als eine Umgebung, in der nur die st\u00e4rksten Spermien \u00fcberleben k\u00f6nnen. Dieses saure Milieu ist jedoch notwendig, damit sich die Spermien in ihrer Membran und ihrer Enzymstruktur biochemisch ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Hierdurch werden sie beweglicher, bekommen einen schnelleren Stoffwechsel und erlangen die F\u00e4higkeit, die schwer durchl\u00e4ssige \u00e4u\u00dfere Proteinschicht der Eizelle, die so genannte Zona pellucida, zu durchdringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>Eizelle<\/strong>&nbsp;ihrerseits beginnt ihre Reise mit dem Eisprung: wenn das Hormon LH 14 Tage nach Beginn des Menstruationszyklus seinen H\u00f6chststand erreicht hat, wird sie aus dem Follikel freigesetzt und springt vom Eierstock in den Eileiter. Hier wartet sie nicht passiv auf die Spermien, sondern bewegt sich entlang des Eileiters in Richtung Geb\u00e4rmutter. Dabei sondert sie so genannte Chemoattraktoren ab, chemische Molek\u00fcle, die die Spermien anlocken und sie aktiv zu ihr hinf\u00fchren. Das wichtigste dieser Molek\u00fcle ist das Hormon Progesteron. M\u00f6glicherweise gibt es auch andere Molek\u00fcle, die die Anziehung f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie gelangen die Spermien zur Eizelle? Eine neue Studie gibt Aufschluss<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Studie der Universit\u00e4t Stockholm&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1098\/rspb.2020.0805\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1098\/rspb.2020.0805<\/a>&nbsp;hat gezeigt, dass nicht alle Spermien in gleicher Weise auf die Signale der Eizelle reagieren. Einige Spermien erreichen die Eizelle offenbar eher als die anderen. Allerdings sind die Faktoren, die diese Unterschiede bestimmen, noch nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Spermium und die Eizellen zusammentreffen, findet die Befruchtung statt, bei der die Spermien die Zona pellucida (sozusagen die H\u00fclle der Eizelle) durchdringen, wobei ihre Membran mit der der Eizelle verschmilzt. Durch die Verschmelzung der Membranen von Spermium und Eizelle dringen SOAF (Spermborne Oocyte Activating Factors) in die Eizelle ein, die der Eizelle durch Modulation der Kalziumionenkonzentration mitteilen, dass sie befruchtet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Signal l\u00f6st eine Reihe von Ereignissen aus, die in die Entwicklung eines neuen Embryos m\u00fcnden. Die Eizelle schlie\u00dft die meiotische Teilung ab (die letzte Phase ihrer Reifung), und die Zona pellucida verh\u00e4rtet sich, um das Eindringen eines weiteren Spermiums zu verhindern und so die richtige Anzahl an Chromosomen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Befruchtung findet im Eileiter statt.<\/strong>&nbsp;Hier beginnt die Zygote ihre Entwicklung durch Vermehrung ihrer Zellen nach einer fortschreitenden Zellteilung, w\u00e4hrend sie sich gleichzeitig im Eileiter in Richtung Geb\u00e4rmutter bewegt, die sie etwa 5 Tage nach der Befruchtung erreicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wird die Eizelle wirklich vom schnellsten Spermium befruchtet?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Spermium, das die Eizelle erfolgreich befruchtet, ist nicht unbedingt das schnellste. Ein Spermium braucht zwar eine gute Motilit\u00e4t (Schwimmf\u00e4higkeit), aber die Motilit\u00e4t allein reicht nicht aus, um eine korrekte Embryonalentwicklung zu gew\u00e4hrleisten.&nbsp;<strong>Die Vollst\u00e4ndigkeit des Genoms, die Morphologie und weitere Merkmale tragen dazu bei, dass eine Eizelle erfolgreich befruchtet werden kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Forschungen an Tiermodellen deuten darauf hin, dass eine korrekte Speicherung der DNA im Spermienkopf die Ankunft und den Eintritt in die Eizelle erleichtert (DOI: 10.1111\/j.1439-0272.2010.01074.x), und beim Menschen wurde beobachtet, dass eine hohe DNA-Fragmentierungsrate von Spermien mit niedrigeren Befruchtungsraten verbunden ist (doi:10.4183\/aeb.2017.23) (doi: 10.1093\/humrep\/del326.).<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat sich gezeigt, dass die vom weiblichen Fortpflanzungssystem abgesonderten \u00d6strogene den Spermien auf ihrem Weg in die Eileiter helfen. Diese Tatsache zeigt erneut, dass&nbsp;<strong>bei der Befruchtung die Synergie zwischen den beiden Hauptakteuren, der Eizelle und den Spermien, eine grundlegende Rolle spielt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorgang der Befruchtung ist nicht immer korrekt beschrieben worden. M\u00f6glicherweise ist durch eine vereinfachende Erkl\u00e4rung der falsche Mythos vom \u201cWettlauf der tapferen Spermien zum Schatz\u201d entstanden, der ein wenig dem Narrativ des Wettkampfes von tapferen und aktiven M\u00e4nnern um die Eroberung der passiven Frau \u00e4hnelt. Andererseits galt das Spermium lange als blo\u00dfer DNA-Lieferant.<strong>&nbsp;Heute wissen wir, dass sowohl die Eizelle als auch das Spermium grundlegende und miteinander verkn\u00fcpfte Aufgaben haben.<\/strong>&nbsp;Es gibt keine passive oder aktive Rollenverteilung; in jedem Prozess m\u00fcssen beide Akteure auf perfekt koordinierte Weise handeln, um das Ergebnis zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Artikel verfasst von Filippo Zambelli, Phd, Forscher des F&amp;E-Teams der Eugin-Gruppe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die&nbsp;Befruchtung&nbsp;ist der Vorgang, bei dem sich zwei Keimzellen, eine Eizelle und ein Spermium, vereinigen, um eine so genannte Zygote zu erzeugen. Eine Zygote ist ein Embryo in seinem ersten Entwicklungsstadium unmittelbar nach der Befruchtung. Dieser Prozess wird oft als&nbsp;Wettlauf zwischen den Spermien in Richtung der Eizelle&nbsp;beschrieben und Dauer der Spermien in der Eizelle. 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